Orto dei Semplici
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Über Rio nell’Elba liegt auf einem Hügel ein Garten, in dem Pflanzenwissen und Landschaft mit Geschichte zusammenfinden. Auf rund 160 Metern Höhe befindet sich die historische Einsiedelei Santa Caterina mit ihrer kleinen Wallfahrtskirche, die dem Ort eine ruhige, beinahe kontemplative Atmosphäre verleiht. Direkt daneben breitet sich der Orto dei Semplici aus – ein botanischer Garten, der ganz den heimischen Pflanzenarten des Toskanischen Archipels gewidmet ist. Er entstand aus freiwilligem Engagement: Enthusiasten legten Wege, Terrassen und Beete an, sammelten Samen und dokumentierten altes Wissen über Heil- und Nutzpflanzen. Die Sorgfalt überzeugte bald auch Fachleute, sodass heute Forschende der Universität Pisa das Projekt wissenschaftlich begleiten.
Ziel ist es, die Vielfalt der Inselwelt zu erhalten, bedrohte und endemische Arten zu schützen sowie traditionelles Wissen weiterzugeben. Viele hier kultivierte Pflanzen besitzen land- oder forstwirtschaftliche Bedeutung, andere spielten in der Klostermedizin und Pharmazie eine wichtige Rolle. Wer den Garten durchstreift, findet Elbas Landschaften im Miniaturformat: mediterrane Macchia mit duftendem Rosmarin und Mastixstrauch, niedrige Eichenbestände, Obstsorten alter Kultivierung, aber auch die zarte Flora der Sanddünen. Beschilderungen erklären Herkunft, Nutzung und besonderen Schutzstatus der Arten.
Im Jahreslauf verändert der Orto sein Gesicht: Im Frühling leuchten Zistrosen und Zwiebelgewächse, im Sommer summen Insekten zwischen Heilkräutern, im Herbst reifen Beeren und Samen für die Saatgutbank. Von den Mauern der Einsiedelei öffnet sich der Blick bis zum Meer; Stille und Weite gehören zum Erlebnis. Kleine Ausstellungen und thematische Rundgänge erzählen von Mönchen, Gärtnern und Seefahrern, die Pflanzen einst über das Mittelmeer brachten.
Der Besuch lädt dazu ein, langsam zu gehen, zu riechen, zu schauen – und die empfindliche Natur zu respektieren. So bleibt der Orto dei Semplici ein lebendiges Freilichtlabor und ein Ort, an dem Spiritualität, Wissenschaft und Inselalltag auf besondere Weise zusammenkommen.






















