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Mausoleum Tonietti

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Mausoleum Tonietti_Beitragsbild

Im Pinienwald bei Cavo steht ein geheimnisvoll verzierter Turm das Mausoleum Tonietti, das Wanderer heute so fasziniert. Mitten zwischen Pinien und mediterraner Macchia taucht das Bauwerk unvermittelt auf – fernab jeder Ortschaft und gerade dadurch von besonderer Wirkung.

Das Gebäude wirkt wie ein Märchenrelikt: zu prunkvoll für einen Wehrturm, zu verspielt für mittelalterliche Strenge, zu jung für Antike. Errichtet wurde es um 1900 als repräsentative Grabstätte für Giuseppe Tonietti, den mächtigen Unternehmer, der die Industrialisierung des elbanischen Erzabbaus entscheidend vorantrieb. Mit dem Ausbau der Minen, Verladeanlagen und Fabriken veränderte er das Gesicht der Insel dauerhaft und wurde zu einem der bedeutendsten Wirtschaftsakteure seiner Zeit.

Für seine letzte Ruhestätte wählte Tonietti einen der renommiertesten Architekten der Epoche: Adolfo Coppedè. Er entwarf ein Bauwerk, das eklektische Stilelemente miteinander verbindet – neugotische Anklänge, Anleihen des Jugendstils, Zinnen, Spitzbögen und dekorative Reliefs. Alles sollte Rang und Selbstbewusstsein der Unternehmerfamilie ausdrücken. Doch die Geschichte nahm eine ironische Wendung: Die Behörden verweigerten die Genehmigung als Begräbnisstätte, und so erfüllte das Mausoleum seinen Zweck nie.

Mausoleum Tonietti_Fliestext_300-440

Heute steht das Monument verlassen im Wald, von Wind, Salzluft und Zeit gezeichnet. Zerbrochene Fenster, eingestürzte Teile und vom Efeu umrankte Mauern verleihen ihm eine romantische Morbidität. Es regt die Fantasie an, und um den Ort ranken sich Legenden von Geistern, unvollendeten Plänen und unterbrochenem Ehrgeiz. Gleichzeitig ist es ein steinernes Zeugnis für den Bergbauboom Elbas, für den Aufstieg einer Familie und für die Vergänglichkeit menschlicher Ambitionen.

Wer den Weg dorthin findet, sollte achtsam sein: Das Innere ist ruinös, Zugang oft untersagt, und die Natur hat sich das Areal zurückerobert. Am besten betrachtet man das Mausoleum respektvoll aus sicherer Entfernung und lässt die Atmosphäre wirken. Zwischen Harzduft und Meeresrauschen wird deutlich, wie nah auf Elba Industriegeschichte, Landschaft und Mythen beieinanderliegen – und wie ein ungenutztes Grabmal zu einem der geheimnisvollsten Orte der Insel werden konnte.

 

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