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Oberitalienische Seen Reise

Larius Lacus, der Tiefste – Comersee

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Lust auf Italien, Reisen, oberitalienische Seen, Comersee

Am Comer See ist in den letzten Jahren ein wahrer Boom ausgebrochen. Kein Wunder, denn neben voralpiner Bergkulisse werden Urlauber durch das milde Klima mit mediterraner Vegetation verwöhnt. Auch die kulturellen Schätze sind an diesem See überaus zahlreich.

Das Kreuz des Comer Sees: Immer diese Entscheidungen! Tafeln in der urigen Osteria mit herrlich altmodischen Tischdecken oder Promi-Spotting in der hippen Szenebar? Kultur oder Berge?
Eine automobile Spritztour um den See oder doch lieber mit dem Boot auf Wellen schaukeln?
An den stillen und beschaulichen Ufern des Lario, wie Einheimische den Lago nennen, gaben sich Betuchte und Schöngeistige bereits ein Stelldichein, als man noch mit Kutsche und Hutschachtel verreiste: Kaiserin Sissi und Franz Josef, Franz Liszt, Friedrich Nietzsche, Cosima Wagner oder Hermann Hesse. Das Zusammenspiel von schroffen Bergriesen und himmelwärts strebenden Palmen, Oleander, Zitronen- und Olivenbäumen, einem Rausch von Kamelien- und Azaleenblüten im Frühling, machen den Reiz des Comer Sees aus. Und die ganzjährig milden Temperaturen.

Grandezza & Retro-Charme

Am bequemsten entdeckt man den See per Schiff. Kreuzt auf der spiegelblanken Wasserfläche vorbei an pastellfarbenen Häusern mit schmiedeeisernen, glyzinienschweren Balkongeländern
und hölzernen Klappläden, vorbei an windzerzausten Zypressen und lässtsich frische See-Brise um die Nase wehen. Filmreife Palazzi, Villen und Grand Hotels mit opulenten Parks, umspült von einem Hauch vergangener Macht, säumen den See. Meisterwerke der Kunst und Architektur, verwunschen und ein wenig von vorgestern.
Promispotter haben hier gute Chancen: Halb Hollywood lässt sich vom mondänen Belle-Epoque-Charme und den pittoresken Orten beeindrucken, auch Musiker, Schriftsteller und Designer haben oder suchen ein Luxusdomizil an diesem bilderbuchschönen See. Berühmtester Ehrenbürger am Lago und Villenbesitzer im verschlafenen Nest Laglio: George Clooney. Jeden Sommer urlaubt der Hollywood-Star in der „Villa Oleandra“. Einheimische kümmern sich wenig um Schaulustige, die trotz Verbotes vor der Villa herumlungern und zelebrieren auf der Dorf-Piazza heitere Gelassenheit. In Laglio läuft alles noch ein wenig langsamer als anderswo.

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Como die Hauptstadt des Sees: Um diesen atemberaubenden Ausblick zu bekommen, muss man mit der Seilbahn Funicolare fahren.

George Clooney lebt hier

Gern zu Gast ist „what else?“ Clooney in der „Locanda dell`Isola Comancina“, dort feierte er das Ende der Dreharbeiten zu „Ocean´s Twelve“. Seit 1947 kredenzt Benvenuto Punicelli seinen Gästen in der Locanda dasselbe Menü, keine einzige Änderung wurde seither vorgenommen. Höhepunkt jeder Mahlzeit ist ein spezieller Feuerzauber, mit dem der Inselwirt einen jahrhundertealten Fluch eines Comer Bischofs bannt, der einst drohte: „Es werden niemals mehr die Glocken läuten, niemand wird mehr einen Stein auf den anderen setzen, niemand wird hier mehr Wirt sein unter der Strafe eines qualvollen Todes.“ Benvenuto Punicelli murmelt Zauberformeln und bereitet aus Brandy, Zucker und tiefschwarzem Espresso jenen flambierten Trunk zu, vor dem alle bösen Geister Reißaus nehmen. Wer dieses Spektakel wie Brad Pitt, Matt Damon, Britney Spears, Madonna, Joe Cocker, Elton John oder Victoria Beckham selbst erleben will, braucht Luigi – und sein „Boat-Service“. Denn die „Locanda“ befindet sich auf Comacina, der einzigen Insel am See. Luigi Conazzi ist geborener „Comascher“ (sprich: Comasker), er liebt den Lago, er arbeitet auf dem Lago. Und er kennt den Lago. Zwar verfügt Luigi über VIPErfahrung, mit Promi-Klatsch aber hat er nichts am Hut. Ach, ja, George Clooney, von da drüben, weiter nördlich, den kenne er, hole ihn gelegentlich direkt von dessen Villa ab. Aha! Und plaudert mit ihm, worüber? „Man unterhält sich eben“, weicht er elegant aus und lächelt.

Das hübscheste Dorf am See

„Wenn Sie die Geschichte zweier glücklich Liebender schreiben wollen, so siedeln Sie sie in Bellagio an. Ich kenne keinen Ort auf der Welt, der vom Himmel mehr verwöhnt wurde“, schwärmte der Komponist Franz Liszt 1837. Bellagio, die „Perle des Sees“ am Westufer, gegenüber von Tremezzo, ist beliebtester und elegantester Ort am See: Krumme Gassen, Glockentürmchen und mit Blumen geschmückte Treppengässchen – Italien, wie wir es lieben. Im Sommer von Touristen überrannt, schmiegt sich Bellagio an die äußerste Spitze einer Halbinsel, die den Comer See in zwei Arme aufspreizt und ihm das Aussehen eines auf den Kopf gestellten Ypsilons verleiht. „Von seiner schönsten Seite zeigt sich der Comer See bei Bellagio und Lenno“, verrät Luigi und empfiehlt eine Bootstour zu seinem Lieblingsplatz, der Villa Balbianello. Wer die dekadente Villa samt Park vom See aus erblickt, wird Luigi zustimmen: In wunderbarem Licht strahlt der Prachtbau mit terrassenförmigem Garten, direkt am steilen Ufer. Zahlreiche Hollywood-Filme (u.a. James Bond „Casino Royale“ mit James Graig oder „Star Wars – Episode II“) wurden hier gedreht.

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Bellagio liegt auf eiiner grünen Halbinsel und bietet stilvolle Hotels, Filialen Mailänder Nobeldesigner und edle Restaurants.

 

Leichtigkeit des Südens

Das westliche Ufer zwischen Bellagio und Como hingegen ist nur wenigen Touristen bekannt, weil hier prunkvolle Villen und Palazzi reicher Milanesi, Mailänder, teils mit Privatstrand thronen und nur wenig Platz für Fremdenverkehr lassen. Mit Ausnahme der Städte Como und Lecco prägen kleine Dörfer mit herrlichen Seepromenaden die Szenerie. Schreiende touristische Angebote sucht man hier vergebens. Bei einer Autofahrt um den See kann man gar nicht so oft anhalten, wie man Fotos schießen möchte. Die Straße zwängt sich zwischen Wasser und Fels, kurvt durch düstere Tunnel. Hinter jeder Kurve was zum Staunen.
Fine settimana, am Wochenende, tummeln sich hier stressgeplagte Mailänder und Turiner. In Bewegung gesetzt wird alles, was rollt: Rennrad, Motorrad, Motorino, Autos, Oldtimer. So ein Ausflug zum Lago verheißt vor allem einen Höhepunkt – il pranzo, stundenlanges Mittagessen. Hier ticken die Uhren eben noch langsamer, die Menschen nehmen sich Zeit ausführlich miteinander zu sprechen, lange hervorragend miteinander zu schlemmen. Und was kommt da auf den Tisch? Am liebsten „I Missoltini (eine Heringsart) con polenta“, die Spezialität vom Comer See, in dessen Tiefen (bis zu 410 m) sich u.a. Aale, Schleien, Hechte und Barsche tummeln. Dem Angebot „fangfrischer Fisch“ auf der Speisekarte kann man hier noch immer trauen.

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Surfen & Sonnenanbeten

Und was macht man sonst am Lago? Sportler kurven mit Rennrädern haarnadelige Bergstraßen hoch, Wanderer werfen von Gipfeln ringsherum schwindelerregende Blicke auf den See, Surfer und Segler preschen im Zickzack über Wellen, das Geräusch der Motorboote weht ans Ufer. An den Stränden arbeiten Sonnenanbeter hart an der Abbronzatura, knackiger Bräune, wohlgenährte Bambini stürmen und zerstören Burgen aus Treibholz. Im Wasser plantschen vorwiegend Turisti, Einheimische hechten – wenn überhaupt – ein, zwei Schwimmzüge durch die Fluten, bleiben dann in Hüfttiefe einfach stehen, spielen Ball oder plaudern. Gartenliebhaber entdecken rund um den See ein Eldorado, schlendern durch herrliche Parks aristokratischer Villen: verwinkelt, verwunschen, wundersam. Hier blüht immer etwas Schönes, Skurriles, Exotisches. Eine grandiose Kulisse für Urlauber, die gern wassersporteln, ihre Stiefel schnüren oder fernab vom elitären Kulturbetrieb in Werken italienischer Meister wie Rossini, Verdi oder Puccini schwelgen. Das Teatro Sociale di Como führt großartige Theaterstücke und Opern auf. Natur, Kultur, Geschichte – ja, der Comer See bietet einfach alles … außer Langeweile. Und man hat reichlich Gelegenheit, Geld auszugeben. Wem die mondäne Eleganz zu viel ist, der quartiert sich in einer kleinen Pension ein, charmant wie in den Fünfzigern und setzt sich in die gute alte Zeit zurück. Trifft sich abends mit alten Herren im Anzug zur Passeggiata, dem Spaziergang an einer der Seepromenaden, drückt sich die Nase an verlockenden Auslagen nobler Boutiquen platt oder stöbert in Botteghe, kleinen Geschäften, wie anno dazumal. Man findet eine ausgeglichene Hotellerie und Gastronomie, eher mit Tendenz zur höheren Preisklasse.

Dolce Vita unter Palmen

Und allgegenwärtig ist diese Tendenz zur Langsamkeit: Haach!, jetzt mal einfach nichts tun. Die Gedanken auf Reisen schicken und in der behaglichen Trägheit des frühen Abends in einer Bar einen Aperol-Spritz zum Aperitivo genießen, dazu Oliven naschen. Während die Abendsonne nach und nach weltvergessene Dörfer hoch oben an den Berghängen entflammt. Der tiefgründige Comer See ist ein Gute-Laune-Garant, er ist eine Pflichtstation für empfindsame Italophile, die der Suche nach dem Paradiso auf den Grund gehen wollen.

Titelfoto: © Alberto Locatelli

Lust auf Italien: März/April 2020

Aktuelle Ausgabe: Lust auf Italien 2/2020

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