Napoleon auf Elba
Teilen
Auf Elba hinterließ Napoleon in nur zehn Monaten Exil bis heute sichtbare Spuren in Landschaft, Städten und Geschichten. Nach seiner Abdankung im April 1814 traf er auf der kleinen Mittelmeerinsel ein – offiziell als Souverän eines Mini-Staates mit eigener Flagge, Verwaltung und einer winzigen Armee.

Das Jahr 2014 wurde Napoleon gewidmet mit der Feier 200 Jahre seit der Landung auf der Insel Elba. Ein historischer Moment.
Die Zeit war kurz, aber intensiv: Napoleon inspizierte Häfen und Dörfer, ließ Straßen ausbessern, Wasserleitungen und Kanalisation anlegen und ordnete Hygienemaßnahmen an. Er kümmerte sich um Bergbau und Landwirtschaft, führte neue Anbaumethoden ein und sorgte für ein funktionierendes Gesundheitswesen. Auch soziale Fragen lagen ihm am Herzen: Verwundete Soldaten, Witwen und Waisen sollten Unterstützung erhalten.
Zugleich lebte hier ein kleiner Hofstaat. Seine Mutter „Madame Mère“ und vor allem seine Schwester Paolina begleiteten ihn; Besucher, Diplomaten und Neugierige gaben sich die Klinke in die Hand. Die Insel wurde damit zur Bühne europäischer Politik – der Kaiser im Kleinstformat, aber unter ständiger Beobachtung. Napoleon ritt, segelte, ließ sich Berichte vorlegen und bereitete akribisch seine Zukunft vor, während er offiziell das Leben eines verbannten Fürsten führte.
Die Villen von Napoleon
Die wichtigsten Schauplätze sind die beiden Villen. Die Villa dei Mulini thront in Portoferraio über dem Meer. Hier befinden sich sein Arbeitszimmer, das Schlafzimmer und Repräsentationsräume; im Garten öffnet sich ein weiter Blick über das Tyrrhenische Meer. Paolina nutzte den Festsaal für Empfänge und Feste, die ein Gegengewicht zur Strenge des Exilherrschers bildeten.
Die Villa San Martino, inmitten grüner Hügel außerhalb der Stadt, diente als Sommerresidenz. Thematisch gestaltete Säle – wie der „Ägyptische Saal“ oder der „Saal des Liebesknotens“ – spiegeln die Faszination der Zeit für Symbolik und Geschichte. Davor erstreckt sich die klassizistische Galleria Demidoff, die später entstand und kostbare Erinnerungsstücke beherbergt, darunter die berühmte Statue „Galatea“, für die Paolina Modell gesessen haben soll.
Napoleon auf Elba – 10 Monate Verbannung
Heute erzählen Wege, Befestigungen, Verwaltungsakten und eben diese Villen von einer Epoche, in der Elba weltgeschichtliche Aufmerksamkeit erlangte. Ende Februar 1815 verließ Napoleon die Insel heimlich – der Beginn der „Hundert Tage“. Sein kurzer Aufenthalt jedoch hat sich tief eingeprägt: in den Bauwerken, in Geschichten der Bewohner und im Selbstverständnis der Insel. Wer Elba besucht, begegnet Napoleon auf Schritt und Tritt – nicht als ferne Legende, sondern als greifbarer Teil einer Landschaft, die Geschichte und Alltagsleben eindrucksvoll verbindet.






















