Die Bunker von Enfola
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Auf Enfola verschränken sich wilde Natur, weite Meeresblicke und stumme Relikte vergangener Militärgeschichte prägend so. Die schmale Landzunge verbindet das Festland Elbas mit der kleinen Halbinsel; wer sein Auto am Parkplatz stehen lässt und den Weg hinauf zum Monte Enfola nimmt, bewegt sich schnell zwischen Aleppo-Kiefern, duftendem Ginster und niedriger Macchia. Der Anstieg ist moderat, und mit jeder Kehre öffnen sich neue Panoramen über die Bucht von Portoferraio, die Steilküste und bis zu den Nachbarinseln. Die Landschaft wirkt ursprünglich, und Kolonien von Gelbfußmöwen und Kormoranen nutzen die Felsen rund um den markanten Block „La Nave“ als Brut- und Rastplatz.

Unter dem Monte Enfola verbirgt sich ein dunkler Bunker: Tunnel, kühle Luft und stille Zeugen vergangener Militärzeit
Mitten in diese Idylle mischen sich plötzlich Betonreste, Scharten, Munitionsnischen und Tarnmauern – stille Zeugen einer Zeit, in der Enfola ein strategischer Vorposten war. In den 1920er- und 1930er-Jahren entstand hier ein ganzes Verteidigungssystem, ausgelegt, um Angriffe von See her frühzeitig zu erkennen und abzuwehren. Geschützstellungen, Beobachtungsposten, Offiziersunterkünfte und unterirdische Verbindungswege wurden in den Fels getrieben, gut getarnt zwischen Vegetation und Geländekanten. Während des Zweiten Weltkriegs war das Areal Teil eines größeren Netzes der Küstenverteidigung im Tyrrhenischen Meer.
Der eindrucksvollste Ort ist der große Bunker im Inneren des Berges. Durch niedrige, dunkle Zugänge gelangt man in ein Labyrinth aus Gängen und Kammern, in denen die Temperatur konstant kühl bleibt. Rostspuren, Kabelhalterungen und Wandinschriften lassen die Enge und Anspannung der damaligen Besatzungen erahnen. Der Bunker kann heute frei betreten werden; eine Taschenlampe ist unverzichtbar, festes Schuhwerk dringend zu empfehlen. Draußen führen Lehrpfade an Info-tafeln vorbei, die Geologie, Flora und die militärische Nutzung erklären und so Natur- und Kulturgeschichte verbinden.
Wanderung zum Bunker von Enfola
Gleichzeitig ist Enfola ein Rückzugsraum für seltene Pflanzen und Tiere. Zwischen den Ruinen wachsen Steinrosen, Myrte und Wacholder, Eidechsen huschen über die Stufen, und im Frühjahr leuchten Orchideenarten am Wegrand. Der Ort erzählt damit zwei Geschichten: jene von Aufrüstung, Angst und Kontrolle – und jene von der Kraft der Natur, sich verlorene Räume zurückzuerobern. Wer hier unterwegs ist, sollte die Anlagen respektvoll nur von sicheren Bereichen aus betrachten, keinen Schutt bewegen und Nester nicht stören.
So wird der Spaziergang auf Enfola zu einer kleinen Zeitreise: von der militärischen Sperrzone zum offenen Panoramaweg, von Beton zu Blüten, von Stille zu Meeresrauschen.






















