Udine – Piazza della Liberta
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Die Piazza della Libertà ist ein städtebauliches Ensemble, das sich wie ein komponiertes Bühnenbild vor dem Besucher öffnet. Er liegt etwas erhöht am Fuß des Castello-Hügels, so dass der Blick stets zwischen der Architektur der Gebäude und dem Grün des darüberliegenden Schlossareals pendelt. Diese leichte Terrassierung verleiht dem Platz eine besondere Tiefe und ein Gefühl von räumlicher Geborgenheit, zugleich aber auch Offenheit, weil sich die Fassaden nie ganz abschotten und die Perspektive immer wieder neu freigeben.
Loggias: Der Platz ist ein eindrucksvolles Zeugnis venezianischer Herrschaft in Friaul. Besonders sichtbar wird dies im Loggia-Komplex, der sich mit seinen eleganten Arkaden entlang der Platzkante erstreckt. Die Loggia del Lionello, benannt nach dem venezianischen Baumeister Nicolò Lionello, ist ein Meisterwerk gotisch-venezianischer Architektur. Ihr Wechsel aus rosa und weißem Marmor erzeugt ein lebendiges Rhythmusgefühl, während die Feinheit der Bögen und die filigranen Maßwerkfenster an die Paläste der Lagune erinnert. Trotz dieser Anleihen wirkt die Loggia fest in Udine verwurzelt, denn ihre Proportionen und die klare Gliederung spiegeln die höfische, zugleich aber bodenständige Identität der Stadt wider.

Die Loggia del Lionello, im venezianischen Gotikstil erbaut, prägt die Piazza della Libertà mit ihrer eleganten Fassade.
Gegenüber erhebt sich die Loggia e Tempietto di San Giovanni mit dem anschließenden Uhrturm, der deutlich von der Torre dell’Orologio am Markusplatz inspiriert ist. Die beiden bronzenen Mauri, die zu jeder Stunde mit ihren Hämmern die Glocke schlagen, verleihen dem Ort einen fast theatralischen Moment, der den Tagesrhythmus der Stadt seit Jahrhunderten begleitet. Die hellen, beinahe schimmernden Flächen des Uhrturms reflektieren das Licht unterschiedlich je nach Tageszeit: Am Morgen wirkt er kühl und klar, während er am Abend warm und weich schillert, als wäre er Teil eines natürlichen Farbverlaufs des Himmels.

Die Loggia und der Tempietto di San Giovanni prägen die Piazza mit Renaissance-Architektur und markanter Silhouette.
Die Loggia und der Tempietto di San Giovanni prägen die Piazza mit Renaissance-Architektur und markanter Silhouette.Zwischen den Loggien öffnet sich ein Raum, der historisch sowohl politischer wie sozialer Mittelpunkt war. Märkte, Ratsversammlungen und zeremonielle Anlässe prägten den Platz ebenso wie spontane Begegnungen. Diese Schichten von Alltag und Geschichte sind heute noch spürbar. Besucher schlendern über die glatten Steinplatten, Studenten sitzen an den Treppenstufen, und die Cafés entlang der angrenzenden Gassen strahlen eine stille Vertrautheit aus, als gehörten sie seit jeher zum Platz.

Statuen: Besondere Akzente setzen die Statuen auf der Piazza, die politische Symbolik der venezianischen Zeit transportieren. Die Colonna del Leone marciano trägt den Markuslöwen, das Wappentier der Republik Venedig, und symbolisiert Udines Zugehörigkeit zur Terraferma der Serenissima. Die schlanke Säule ragt elegant vor dem Hintergrund der Loggien auf und markiert die politische Autorität Venedigs. Ihr Löwe, mit geöffnetem Buch, verkörpert Frieden und Ordnung. Die Säule fungierte als sichtbares Machtzeichen und prägt bis heute die venezianische Atmosphäre der Piazza.
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Die Statua della Giustizia del Paleario zeigt die Justitia mit Schwert und Waage und verkörpert die Rechtsordnung, unter der Udine verwaltet wurde. Ursprünglich stand sie auf einer eigenen Säule als Gegenstück zum Markuslöwen und betonte das Gleichgewicht zwischen Macht und Gesetz. Die strenge Haltung der Figur vermittelt moralische Autorität und erinnert an die zentrale Rolle der Piazza als Ort öffentlicher Gerichtsbarkeit und städtischer Verwaltung.
Fazit: Die Piazza della Libertà lebt jedoch nicht allein von ihrer Geschichte. Sie ist ein Ort ständiger Bewegung: Konzerte, Ausstellungen, politische Kundgebungen und saisonale Dekorationen verleihen ihm immer neue Ausdrucksformen. Gleichzeitig bewahrt er eine seltene Ruhe, eine fast meditative Qualität, besonders in den frühen Morgenstunden, wenn die Fassaden sanft im ersten Licht aufglühen und der Platz wirkt, als warte er darauf, dass die Stadt langsam erwacht.






















