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Reise Siena Toskana

Siena – Dom

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Der Dom von Siena erhebt sich nicht auf dem zentralen Platz der Stadt, sondern etwas abseits auf dem großen Domplatz. Dies zeigt eindrucksvoll, wie klar Siena im Mittelalter zwischen weltlicher und geistlicher Macht unterschied.

Dom von Siena _ Fliestext 1

Die Cattedrale Metropolitana di Santa Maria Assunta ist die Mutterkirche des Erzbistums Siena in der Kirchenregion Toskana.

Dass die Kathedrale nicht an der Piazza del Campo liegt, verleiht ihr eine besondere Präsenz. Sie steht nicht im Wettbewerb mit den Palästen der weltlichen Regierung, sondern bildet ein eigenes, sakral abgegrenztes Zentrum. Diese räumliche Distanz betont den Anspruch der Kirche, eine höhere, übergeordnete Sphäre zu repräsentieren. Gleichzeitig wirkt die Abseitslage wie ein bewusst inszenierter Auftritt: Als wolle die Kathedrale, unbeeinflusst vom städtischen Trubel, ihre Pracht umso deutlicher entfalten.

Im Baptisterum des Doms von Siena: Schöner kann man eine statische Stütze kaum gestalten.

Architektur und Gestaltung der Fassade

Während Siena für seine schlichte, elegante Backsteingotik bekannt ist, setzt der Dom bewusst auf überwältigende Opulenz. Die reich verzierte Fassade zeigt eine Fülle an Skulpturen, hoch aufragende Säulen und ein großes Rosettenfenster, das wie ein leuchtender Kristall wirkt. Nirgends sonst in der Stadt begegnet man einem derart extremen Zusammenspiel von Formen und Dekor. Besonders ins Auge fällt das charakteristische Material: Der Dom ist in schwarz-weißem Marmor gehalten, der wie ein monumentales Zebramuster wirkt. Diese Farbgebung ist kein Zufall, sondern ein stolzes Bekenntnis zu den Stadtfarben Sienas und zugleich ein Symbol ihrer Schutzpatronen, der Heiligen Ansanus und Viktor.

Die Libreria Piccolomini strahlt mit farbenprächtigen Fresken und einem reich verzierten Gewölbe wie eine Renaissance-Schatzkammer.

Die Libreria Piccolomini strahlt mit farbenprächtigen Fresken und einem reich verzierten Gewölbe wie eine Renaissance-Schatzkammer.

Der gigantische Erweiterungsplan

Wer die heutige Kathedrale sieht, mag sie bereits als eines der eindrucksvollsten Gotteshäuser Italiens empfinden. Doch die Bürger Sienas dachten im 14. Jahrhundert in weit größeren Dimensionen. 1339 begann man mit einem visionären Ausbauprojekt, das den bestehenden Dom in das Querschiff einer riesigen neuen Basilika verwandeln sollte. Die geplante Kirche wäre eine der größten Europas geworden ­– ein triumphales Zeichen, um die Rivalin Florenz architektonisch zu übertreffen.

Das unvollendete „Duomo Nuovo“

Der Traum endete abrupt. Die Pest von 1348, wirtschaftliche Einbrüche und statische Probleme führten zu einem Baustopp. Zurück blieb eine riesige Außenmauer, die sogenannte „Facciatone“, sowie Teile des nie vollendeten Seitenschiffs. Heute dienen diese Fragmente als mahnende und zugleich faszinierende Zeugnisse des ehrgeizigen Projekts. Sie lassen erahnen, welche monumentale Dimension die Kathedrale in ihrer geplanten Endform gehabt hätte. Das Besteigen des „Facciatone“ – heute Teil des Dommuseums – gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen in Siena, denn der Blick über Stadt und Landschaft ist unvergleichlich.

Bedeutung für Stadt und Identität

Der Dom ist weit mehr als ein religiöses Zentrum. Er ist ein Sinnbild des sienesischen Selbstbewusstseins, Ausdruck von Kunstsinn, Glauben und Bürgerstolz. Seine äußere Gestalt erzählt von Rivalität und Visionen, von Mut und Scheitern und von der Fähigkeit, aus unvollendeten Plänen kulturelle Schätze zu formen.

Die Kathedrale zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie tief Siena in der Kunst des Gestaltens verwurzelt ist. Zwischen ihren Marmorbändern, Statuen und Türmen spürt man den Geist einer Stadt, die über Jahrhunderte hinweg um Schönheit, Bedeutung und Identität rang – und dabei ein einzigartiges Bauwerk schuf, das zu den Höhepunkten europäischer Gotik zählt.

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