Marmolata
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Die Marmolata, Königin der Dolomiten, erhebt sich majestätisch über den Tälern von Belluno als Symbol alpiner Schönheit.Die Marmolata, mit 3.343 Metern der höchste Gipfel der Dolomiten, thront als mächtiges Wahrzeichen zwischen Venetien und Trentino. Ihr Name stammt vom italienischen Wort marmo – Marmor – und bezieht sich auf die hellen, glänzenden Felsen, die im Sonnenlicht wie polierter Stein wirken. Aufgrund ihrer markanten Gestalt, der mächtigen Südwand und des einst ausgedehnten Gletschers wird sie oft als „Königin der Dolomiten“ bezeichnet.
Von weitem wirkt die Marmolata wie eine natürliche Kathedrale aus Fels und Eis. Im Norden fällt sie sanft zum Fedaia-See ab, während ihre Südseite in einer fast senkrechten, über 800 Meter hohen Wand ins Val Ombretta abbricht – eine der imposantesten Felswände der Alpen. Dieses kontrastreiche Relief macht sie zu einem Symbol der Dolomitenlandschaft und zu einem Sehnsuchtsziel für Alpinisten, Naturfreunde und Fotografen gleichermaßen.

Die Seilbahn auf die Marmolata führt bis auf über 3.200 Meter und eröffnet grandiose Ausblicke über die Dolomiten.
Geologie und Natur
Die Marmolata ist ein einzigartiges geologisches Gebilde. Sie besteht aus Dolomitgestein, das vor rund 230 Millionen Jahren aus Meeresablagerungen entstanden ist. Über Jahrmillionen formten tektonische Kräfte und Erosion das heutige Massiv. Im Gegensatz zu vielen anderen Dolomitengipfeln besitzt die Marmolata jedoch auch Reste eines echten Gletschers – des Marmolata-Gletschers, der lange Zeit als größter der Dolomiten galt.
Dieser Gletscher, der einst weit ins Tal hinab reichte, ist heute durch den Klimawandel stark geschrumpft. Er dient als eindrückliches Beispiel für die Veränderungen in den Alpen. Wissenschaftler beobachten hier seit Jahren den Rückzug des Eises, um mehr über die Folgen der globalen Erwärmung zu erfahren. Trotz dieser Entwicklungen bleibt die Marmolata ein Ort von überwältigender Schönheit, an dem sich Fels, Schnee und Himmel zu einer dramatischen Kulisse vereinen.
Ein Schauplatz der Geschichte
Die Marmolata ist nicht nur ein Naturwunder, sondern auch ein Ort mit bewegter Vergangenheit. Während des Ersten Weltkriegs verlief hier die Frontlinie zwischen Italien und Österreich-Ungarn. In den Gletschern und Felsen der Marmolata wurden Stellungen, Tunnel und Unterstände errichtet – ein eisiger Kriegsschauplatz in über 3.000 Metern Höhe. Reste dieser Anlagen können heute im Marmolata-Museum besichtigt werden.
Marmolata-Museum – Museo della Grande Guerra 3000 m
Das Marmolata-Museum, offiziell Museo della Grande Guerra 3000 m, ist das höchstgelegene Museum Europas und liegt auf der Punta Serauta, auf etwa 3.000 Metern Höhe. Es wurde in den 1990er-Jahren eröffnet und erinnert an die dramatischen Ereignisse des Ersten Weltkriegs, als die Marmolata Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen italienischen und österreichisch-ungarischen Truppen war. Das Museum befindet sich an jenem Ort, an dem einst Stellungen und Tunnel in den Fels geschlagen wurden. Es zeigt Fundstücke, Waffen, Uniformen, Fotos und persönliche Gegenstände der Soldaten, die hier in extremen Bedingungen lebten und kämpften. Besonders eindrucksvoll ist die Rekonstruktion der sogenannten „Eisstadt“, einer unterirdischen Anlage, die im Gletscher der Marmolata errichtet wurde. Neben der historischen Sammlung bietet das Museum auch einen Gedenkpfad im Freien, der über ehemalige Frontlinien führt. Mit seiner Verbindung aus Geschichte, Natur und Erinnerung ist es ein bewegender Ort des Friedens und des Nachdenkens.
Der Berg der Bergsteiger
Schon im 19. Jahrhundert zog die Marmolata Bergsteiger aus aller Welt an. Die Erstbesteigung gelang 1864 dem österreichischen Alpinisten Paul Grohmann gemeinsam mit zwei einheimischen Führern. Seitdem ist die Marmolata zu einem der wichtigsten Ziele im alpinen Klettersport geworden.
Die Südwand, fast senkrecht und über 800 Meter hoch, gilt als eine der bedeutendsten Kletterwände Europas. 1901 wurde sie erstmals durchstiegen, eine Pioniertat, die die Marmolata in die Geschichte des Alpinismus eintrug. Heute führen zahlreiche Routen durch die Wand – von klassischen Linien bis hin zu modernen, technisch anspruchsvollen Touren.
Für Wanderer und Bergfreunde bietet die Seilbahn von Malga Ciapela eine komfortable Möglichkeit, bis auf 3.265 Meter zu gelangen. Von der Bergstation Punta Rocca eröffnet sich ein spektakulärer Blick über die Dolomiten – vom Sella-Massiv bis zur Civetta, vom Langkofel bis zur Pale di San Martino.

Die Talstation der Marmolata-Seilbahn in Malga Ciapela ist Ausgangspunkt für Gipfelfahrten und alpine Erlebnisse.
Die Marmolata heute
Heute ist die Marmolata ein Zentrum für Bergsport, Naturerlebnis und Erinnerung. Im Sommer lockt sie mit Wanderwegen, Klettersteigen und beeindruckenden Panoramen, im Winter ist sie Teil des riesigen Dolomiti-Superski-Verbundes. Die Skipisten auf der Nordseite bieten lange Abfahrten mit atemberaubender Aussicht auf den Gletscher und die umliegenden Gipfel.
Gleichzeitig bemüht man sich, den Tourismus nachhaltig zu gestalten und das fragile alpine Ökosystem zu schützen. Initiativen fördern den respektvollen Umgang mit Natur und Geschichte, um das Gleichgewicht zwischen Besucherandrang und Erhaltung zu wahren.
Symbol der Dolomiten
Die Marmolata steht für die ganze Faszination der Dolomiten – für ihre Schönheit, ihre Gegensätze und ihre Vergänglichkeit. Sie vereint in sich das Licht und die Härte des Gebirges, die Freude des Aufstiegs und die Stille der Höhen. Ob beim Sonnenaufgang über der Südwand oder beim Blick über das endlose Meer aus Gipfeln – die Marmolata bleibt ein Ort, an dem die Seele der Alpen spürbar wird. Sie ist nicht nur der höchste Berg der Dolomiten, sondern auch ihr Herz – eine Königin aus Stein und Eis, deren Glanz niemals vergeht.






















