Rom – Tempio di Ercole Vincitore
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Rom und der Tempio di Ercole Vincitore führen zu einem seltenen Zeugnis republikanischer Baukunst direkt am historischen Tiberufer. Zwischen dem Fluss, der Kirche Santa Maria in Cosmedin und dem antiken Forum Boarium steht ein kleiner Rundtempel, der durch seine harmonischen Proportionen und den umlaufenden Säulenkranz sofort ins Auge fällt. Obwohl er wesentlich bescheidener wirkt als die großen Monumente der Kaiserzeit, gehört er zu den bemerkenswertesten erhaltenen Tempelbauten des antiken Rom.

Der runde Tempio di Ercole Vincitore beeindruckt mit seinen korinthischen Marmorsäulen und harmonischen antiken Formen.
Ein Tempel für Herkules
Der Tempio di Ercole Vincitore entstand gegen Ende des 2. Jahrhunderts vor Christus und war Herkules, dem siegreichen Helden und Gott, geweiht. Seine Lage war keineswegs zufällig. Das Forum Boarium bildete damals einen bedeutenden Handelsplatz nahe dem Tiberhafen. Kaufleute und Händler verehrten Herkules als Beschützer des Handels und erfolgreichen wirtschaftlichen Handelns.
Der Tempel besitzt einen kreisförmigen Grundriss und wird von 20 korinthischen Säulen aus Marmor umgeben. Diese Bauform orientierte sich deutlich an griechischen Vorbildern und unterschied sich von vielen traditionellen römischen Tempeln mit rechteckigem Grundriss. Auch die Verwendung von Marmor war für die damalige Zeit in Rom noch außergewöhnlich und unterstrich die Bedeutung des Bauwerks.
Lange wurde der Tempel irrtümlich mit Vesta, der Göttin des Herdfeuers, in Verbindung gebracht. Seine runde Form erinnerte stark an den Vestatempel auf dem Forum Romanum. Deshalb findet man in älteren Reiseführern und Darstellungen häufig noch die Bezeichnung Tempio di Vesta. Archäologische Erkenntnisse ermöglichten später die korrekte Zuordnung zu Herkules.

Mehr als 2.000 Jahre Geschichte machen den Tempio di Ercole Vincitore zu einem besonderen Zeugnis des republikanischen Rom.
Vom Heiligtum zur christlichen Kirche
Dass der Tempio di Ercole Vincitore die Jahrhunderte vergleichsweise gut überstanden hat, verdankt er vor allem seiner späteren Nutzung. Im Mittelalter wurde der antike Tempel in eine christliche Kirche umgewandelt. Er trug zunächst den Namen Santo Stefano delle Carrozze und später Santa Maria del Sole.
Die Umwandlung schützte das Gebäude weitgehend vor dem vollständigen Abbruch. Viele andere antike Tempel wurden im Laufe der Jahrhunderte ihrer wertvollen Steine und Säulen beraubt. Hier dagegen blieb die charakteristische Grundstruktur mit dem runden Innenraum und dem umlaufenden Säulenkranz erhalten.

Seine spätere Nutzung als christliche Kirche trug dazu bei, dass der Tempio di Ercole Vincitore bis heute so gut erhalten blieb.
Spätere Restaurierungen versuchten, dem Bauwerk wieder stärker sein antikes Erscheinungsbild zurückzugeben. Heute präsentiert sich der Tempel deshalb weitgehend frei von den zahlreichen mittelalterlichen Ergänzungen, die seine ursprüngliche Form lange verändert hatten.
Antike Spuren am Forum Boarium
Der Tempio di Ercole Vincitore steht in einem besonders geschichtsträchtigen Bereich Roms. Direkt daneben befindet sich der rechteckige Tempio di Portuno, ein weiterer außergewöhnlich gut erhaltener Tempel der republikanischen Epoche. Gemeinsam vermitteln beide Bauwerke einen Eindruck vom einstigen Forum Boarium, dem bedeutenden Handelszentrum am Tiber.
Nur wenige Schritte entfernt liegen die Kirche Santa Maria in Cosmedin mit der berühmten Bocca della Verità sowie der antike Bogen des Janus. Auch der Circus Maximus und der Aventin sind bequem zu Fuß erreichbar.
Gerade seine überschaubare Größe macht den Tempio di Ercole Vincitore besonders reizvoll. Zwischen dichtem Stadtverkehr und monumentalen Sehenswürdigkeiten wirkt der elegante Rundtempel beinahe zurückhaltend. Seine Marmorsäulen, die harmonische Form und seine mehr als 2.000-jährige Geschichte machen ihn dennoch zu einem eindrucksvollen Zeugnis jener Epoche, in der Rom begann, griechische Architektur und Kunst zunehmend in die eigene Kultur aufzunehmen.
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