Suche
LADE...

Tippen um zu suchen

Feinkost Genuss Spezialitäten

Torrone

Teilen
Torrone

Die berühmte Süßigkeit aus Honig, Eiweiß und Mandeln ist eine klebrige Angelegenheit. Aber soooo lecker!

Mit dem Mandelnougat ist es so ähnlich wie mit den Nudeln: Jeder will’s erfunden haben. Klar, dass auch die Italiener tief in ihren historischen Schatzkisten kramen um zu belegen, dass der Torrone in Italien zum ersten Mal hergestellt und genossen wurde. Sogar die einzelnen Regionen streiten um die längste Tradition für die beliebte Süßigkeit. Da findet man dann in Cremona ebenso bedeutende Dokumente wie auf Sardinien oder im süditalienischen Benevento.
Wie bei vielen anderen kulinarischen Fragen landet man dann irgendwann bei den Arabern: Sie waren es, die zu Zeiten ihrer Herrschaft im Mittelmeerraum viele Produkte und Zutaten mitbrachten, die zuvor in Europa noch unbekannt waren, etwa Mandeln, Zitrusfrüchte, Feigen und Datteln. Schon im 12. Jahrhundert lobte der in Spanien wirkende arabische Arzt Abdul Mutarrif in seinem Werk „De medicinis et cibis simplicibus“ die positiven Eigenschaften des Honigs und beschrieb eine arabische Süßigkeit namens turun, hergestellt aus Honig und Mandeln. Dieses Wort wiederum geht wohl auf die Römer zurück. Denn torrere bedeutet auf lateinisch dörren oder rösten – und eine Hauptzutat im Torrone sind ja geröstete Mandeln und Nüsse.
Den heute als Torrone begehrten weißen Nougat Italiens kennt man ähnlich in Spanien als Turrón, in Frankreich als Nougat de Montélimar und im Iran als Gaz. Auch in der Türkei, in vielen arabischen Ländern und bis nach China haben Süßigkeiten auf Basis von Honig und Nüssen eine lange Tradition. Bei uns sind derlei Schleckereien auch als „Türkischer Honig“ bekannt.

Torrone

Genießer haben die Wahl: Grün mit Pistazien oder ganz puristisch mit Mandeln.

Torrone – Ein ganzer Turm zum Hochzeitsfest

Aber kommen wir zurück nach Italien: Bis heute erzählt man sich in Cremona, dass hier am 25. Oktober 1441 der Torrone das Licht der Welt erblickt habe. An jenem Tag schlossen in dem lombardischen Städtchen Francesco Sforza und Bianca Maria Visconti den Bund fürs Leben und zu ihren Ehren sollen die Zuckerbäcker am Hof erstmals allerlei feine Nüsse, Mandeln und kandierte Früchte in einer Masse aus Honig und Eiweiß versenkt und daraus eine ebenso dekorative wie wohlschmeckende Süßigkeit kreiert haben. Das erste Exemplar hatte die Form des torrazzo, des großen Glockenturms der Kathedrale von Cremona. Und so sind die Cremoneser bis heute überzeugt, dass der Torrone seinen Namen ihrem torrazzo verdankt.

Torrone

Das Fest der Torrone, „Festa del Torrone„, findet alljährlich in Cremona normalerweise im November statt.

Neben Cremona ist Benevento in Kampanien eine regelrechte Torrone-Hochburg und auch viele andere Gegenden Italiens haben ihren Torrone, der natürlich immer der allerbeste ist. So schwören viele Kenner auf den Torrone aus Sardinien, der eine weiche Konsistenz und eine helle Bernsteinfarbe hat, da er viel Honig und kandierte Früchte, dafür aber keinen zusätzlichen Zucker enthält.

Torrone

Bei den traditionellen Herstellern werden für den Torrone Honig und Zucker oder Zuckersirup in einem Kupferkessel erwärmt. Dann kommt Eiweiß hinzu und das Ganze wird im Wasserbad gekocht – am besten für mehrere Stunden. Erst dann gibt man die vorher gerösteten Nüsse, Mandeln oder Pistazien dazu. Die fertige Masse wird in mit Oblaten ausgekleidete, rechteckige Holzformen gefüllt und mit einer Art Nudelholz glattgestrichen. Wenn er gut getrocknet ist, schneidet man den Torrone in die gewünschte Form.
Ursprünglich gab es Torrone nur in harter Ausgabe als torrone duro. Um ihn zu genießen braucht es wirklich gute Zähne oder die Geduld, die Süßigkeit in Stücke zu teilen und zu lutschen wie ein Bonbon. Wohl aus diesem Grunde wurde die weiche Variante erfunden, der torrone morbido, der die Zähne zwar nicht spaltet, aber manchmal hartnäckig an ihnen kleben bleibt.
Fast immer enthält Torrone ganze Mandeln. Darüber hinaus können auch Wal-, Hasel- oder Macadamianüsse, Pistazien, Pinienkerne oder Sesam sowie kandierte Früchte eingearbeitet werden, so dass manche Sorten aussehen wie mit kunterbuntem Konfetti versetzt. Immer beliebter wird auch Torrone mit Kakao oder gar mit einem dicken Überzug aus Schokolade. Und dann gibt es noch quietschbunte Variationen von Zitronengelb bis Knallpink, bei denen wohl auch ein wenig Lebensmittelfarbe den Weg in den Kessel gefunden hat.

Torrone

Traditionelles Handwerk: Früher wurden für Torrone nur Mandeln in einer Mischung aus Honig und Eiweiß verpackt. Heute kommen manchmal auch Haselnüsse oder Pistazien in die süß-klebrige Masse und manchmal wird die Leckerei auch noch mit Schokolade überzogen.

Torrone-Events

Heute gilt der Torrone als beliebteste Süßigkeit in der Adventszeit. Doch damit nicht genug: Seit einigen Jahren feiert man auf Sardinien an Ostern die Sagra del Torrone. Cremona hat Ende November seine Festa del Torrone, und nun gibt es sogar im August ein Torrone-Event im Dolomitenstädtchen Madonna di Campiglio unter dem Motto „Torrone ad alta quota” (Torrone in großer Höhe). Dabei können Besucher den Zuckerbäckern zuschauen, die aus heimischen Produkten wie Alpenblütenhonig, roten Beeren und gerösteten Haselnüssen einen speziellen Torrone herstellen. Natürlich kann man die frisch zubereitete Köstlichkeit auch gleich probieren. So will man den Schleckermäulchen klarmachen, dass Torrone mehr ist als ein Weihnachtszuckerl.

Autor: Marion Trutter

Lust auf Italien: November/Dezember 2020

Aktuelle Ausgabe: Lust auf Italien 6/2020

Südtirol

  • Meraner Land

San Marino

  • Kleinstaat in Mittelitalien

Parmigiano Reggiano

  • König der Käse

Trüffel

  • Diamanten der Küche

Maserati

  • Die Motoren Neptuns

"Lust auf Italien" im Online-Shop

Stichwörter

Das wird Sie vielleicht auch interessieren